29. Prozeduren

29.1. Allgemeines

Abflug- und Anflugprozeduren werden typischerweise beim Fliegen eines Linienflugzeuges verwendet, aber auch kleinere Flugzeuge müssen beim IFR-Flügen mindestens eine Prozedur am Zielort benutzen. FSX und Prepar3D liefern nur Anflugprozeduren in den Standarddaten. SIDs und STARs sind nicht verfügbar. Diese können durch eine Aktualisierung der Navigationsdaten ergänzt werden.

Ein Flug einer Fluggesellschaft, der alle Varianten enthält, kann die folgenden Prozeduren oder Segmente verwenden:

  1. Flugplatz am Start
  2. SID
  3. SID-Übergang
  4. Flugstreckennetz bzw. Luftstraßen
  5. STAR-Übergang
  6. STAR
  7. Übergang zum Landeanflug
  8. Landeanflug
  9. Zielort

Ein Kleinflugzeug mit IFR-Flug kann die folgenden Prozeduren oder Segmente verwenden:

  1. Startflugplatz
  2. Flugstreckennetz bzw. Luftstraßen
  3. Übergang zum Landeanflug
  4. Landeanflug
  5. Zielort

Beachten Sie, dass Übergänge nur in Verbindung mit einem Anflug, einer SID oder einer STAR sinnvoll sind, die Sie zur oder von der Startbahn leiten. Sie können einen Übergang nur mit der entsprechenden Prozedur zusammen auswählen (obwohl eine SID leer sein und nur aus einem Übergang bestehen kann). Falls Sie eine Prozedur aus dem Flugplan löschen, wird auch dessen Übergang gelöscht.

Prozedurinformationen werden zusammen mit einem Flugplan als Annotation in der PLN-Datei gespeichert und beim Laden des Flugplans von Little Navmap wiederhergestellt.

Prozedur-Wegpunkte sind von allen Flugplanformaten standardmäßig ausgeschlossen. Sie müssen im Simulator das GPS oder FMS verwenden, um Prozeduren auszuwählen.

Prozedur-Wegpunkte werden nicht im Flugplan gespeichert, da das PLN-Format nicht alle verschiedenen Streckentypen unterstützt und der Flugsimulator sie nicht korrekt darstellen kann. Wählen Sie die Prozeduren bei Bedarf manuell in Ihrem GPS oder FMC aus.

Manche Flugplanformate, wie z.B. X-Plane FMS erlauben auch das Speichern und Laden von Prozeduren.

Sie können das Speichern von Wegpunkten aktivieren, indem Sie die Menüpunkte Speichere Anflug-Wegpunkte bzw. Speichere Wegpunkte für SID und STAR auswählen.

Bemerkung

Es ist nicht möglich, einen Anflug oder STAR einem Ausweichflugplatz zuzuordnen. Legen Sie einen neuen Flugplan für den Ausweichflugplatz an, wenn Sie dies wünschen.

29.2. Anflug erstellen

Ein benutzerdefinierter Anflug kann für alle Flugplätze erstellt und angewendet werden, auch für kleine Plätze, die keine Anflugprozeduren anbieten.

Dieser benutzerdefinierte Anflug besteht aus einem Endanflugabschnitt und kann durch Änderung von Höhe und Länge angepasst werden. Der Anflug ermöglicht es Little Navmap, vertikale Orientierung zu geben sowie ILS- und/oder VASI-Neigung am Zielort anzuzeigen.

Mehr über diese Art von Anflug erfahren Sie im Kapitel Benutzerdefinierte Anflugprozedur.

29.3. Eine Prozedur in den Flugplan einfügen

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen Flugplatz in der Karte, der Ergebnistabelle der Flugplatzsuche oder der Flugplantabelle und wählen Sie aus dem Kontextmenü Zeige alle Prozeduren für Flugplatz ..., Zeige Abflugprozeduren ..., Zeige Ankunftprozeduren ...). Dies aktiviert den Reiter Prozeduren im Dockfenster Suche.

Fügen Sie über das Kontextmenü in der Prozedurbaumansicht eine Prozedur in den Flugplan ein.

Siehe Prozedursuche für weitere Informationen.

29.4. Eine Prozedur aus einem Flugplan löschen

Das Löschen eines einzelnen Flugplanabschnittes, der Teil einer Prozedur ist, entfernt die gesamte Prozedur sowie ihren Übergang, falls vorhanden. Das Löschen eines Abschnittes, der Teil eines Übergangs ist, entfernt nur den Übergang.

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Löschen des Überganges MUN des Landeanflugs RNAV BEGEN aus dem Flugplan.

29.5. Einschränkungen beim Bearbeiten eines Flugplans mit Prozeduren

  • Durch das Löschen eines Teils einer Prozedur wird die gesamte Prozedur aus dem Flugplan entfernt.
  • Sie können eine Prozedurabschnitt weder nach oben noch nach unten verschieben oder einen Flugplanabschnitt in eine Prozedur einfügen.
  • Sie können keine Wegpunkte zwischen den Prozeduren hinzufügen (z.B. zwischen einem STAR und einem Anflug). Wegpunkte können der Route nur zwischen Abflug und Anflug hinzugefügt werden.
  • Sie können keine Wegpunkte zwischen dem Startflugplatz und einer SID-Prozedur hinzufügen.
  • Sie können keine Wegpunkte zwischen der Anflugprozedur und dem Zielflugplatz hinzufügen.
  • Wenn Sie den Startflugplatz löschen oder ersetzen, werden auch alle SID-Prozeduren entfernt.
  • Wenn Sie den Zielflugplatz löschen oder ersetzen, werden auch alle Ankunftsprozeduren entfernt.

29.6. Flugprozeduren

Die Prozedurteilabschnitte werden vorberechnet, mit Ausnahme der Haltepunkte und Wendepunkte. Das bedeutet, dass man sie meist so abfliegen kann, wie sie auf der Karte gezeichnet sind. Wenn Sie Zweifel haben, wie man einen Abschnitt abfliegen soll (z.B. wenn sich zu viele Linien überlappen), schauen Sie sich die Prozedurentabelle im Flugplantabelle an.

29.6.1. Warteschleifen

Es wird kein Ein- oder Ausflug angezeigt. Sie müssen selbst ein geeignetes Verfahren finden. Warteschleifen haben eine Flugzeit in Minuten oder eine Entfernungsangabe für die geraden Streckenabschnitte.

Wenn eine Zeit vorgegeben ist, fliegen Sie die Warteschleife wie gewohnt:

  1. Einstieg am Fix mit einer korrekten Einstiegsprozedur
  2. Führen Sie eine Standardwende durch
  3. Fliegen Sie eine gerade Strecke für die vorgegebene Zeit (typischerweise eine Minute)
  4. Führen Sie eine Standardwende durch
  5. Fliegen zum Fix bzw. Warteschleifenursprung
  6. Verlassen Sie die Warteschleife, wenn der Flug ausgeführt wurde oder Sie von ATC eine entsprechende Anweisung erhalten haben.

Bemerkung

Folgen Sie nicht genau den Linien, diese sind nur ein Hinweis dafür, wie zu fliegen ist. Ausnahmen sind Strecken, bei denen eine Entfernung für den geraden Abschnitt vorgegeben ist. Die Größe der Warteschleifen entspricht in diesem Fall dem Abstand.

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Eine Warteschleife mit einer geraden Segmentlänge von 2 NM. Betreten und verlassen Sie über ZUNAD und fliegen Sie auf oder über 2600 Fuß. Der Kurs ist 61° magnetisch.

29.6.2. Verlassen einer Warteschleife

Little Navmap erkennt, wenn eine Warteschleife verlassen wird, und aktiviert die nächste Teilstrecke, wenn eine der beiden Bedingungen erfüllt ist:

  1. Wenn die nächste Teilstrecke nach oder am Warteschleifenwegpunkt weitergeht: Beim Anflug nach einer Runde am Wegpunkt bzw. Ursprung geradeaus weiterfliegen. Die nächste Teilstrecke wird nach einer halben Seemeile bis zu einer Seemeile aktiviert.
  2. Wenn das nächste Teilstrecke vor dem Warteschleifenwegpunkt beginnt: Verlassen Sie die Warteschleife am Wegpunkt. Verlassen Sie Rechts-Wenden-Warteschleifen nach links und umgekehrt (d.h. drehen Sie außerhalb der Warteschleife). Fliegen Sie zum Wegpunkt der nächsten Teilstrecke, die aktiviert wird.

Sie können die nächste Teilstrecke manuell aktivieren, wenn Sie die Schleife nicht bei ihrem Wegpunkt verlassen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste in der Flugplantabelle auf die nächste Teilstrecke und wählen Sie Flugplanabschnitt aktivieren.

29.6.3. Wendemanöver (Procedure Turns)

Die Daten des Flugsimulators verschieben den Wendepunkt einer Prozedur um 10 NM vom Ursprungswegpunkt entfernt, der normalerweise zu weit liegt. Fliegen Sie die Prozedur wie gewohnt: Mindestens eine Minute vom Wegpunkt wegfliegen. Fliegen Sie mehr, wenn Sie Platz brauchen, um den nächsten Wegpunkt nach der Kursumkehr abzufangen. Wenden Sie dann oder führen Sie eine Standard 45/180 Grad Drehung durch. Nochmal: befolgen Sie die Prozeduren, nicht die Linien.

_images/procedureturn.jpg

Eine Wendeprozedur. Fliegen Sie mindestens eine Minute von ABERN auswärts, drehen Sie links auf 16°, fliegen Sie eine Minute, machen Sie eine 180°-Wende und fliegen Sie nach LAMMB, dann 242° in Richtung ABERN.

29.6.4. Entfernungen

Alle Prozedurabschnitte, mit Ausnahme von Warteschleifen und Wendeprozeduren, werden bei der Berechnung der Flugentfernung berücksichtigt. Dies bedeutet, dass sich sowohl die Gesamtflugplanentfernung als auch die Höhe des Abstiegspunktes ändern können, wenn ein Anflug oder ein Übergang gewählt wird.

29.7. Spezielle Abschnittstypen

Alle in Little Navmap gezeigten Prozedurabschnittstypen (Kurs zu Wegpunkt, Initialer Wegpunkt und mehr) basieren auf dem ARINC 424 Pfad-Terminator-Konzept. Eine tiefere Kenntnis dieser Abschnittstypen ist für den Simulatorpiloten nicht wichtig, mit Ausnahme von zwei Typen, die durch Little Navmap hinzugefügt wurden.

Fünf weitere Typen werden von Little Navmap verwendet:

  • Start von Prozedur: Dieser Streckenabschnitt wird hinzugefügt, wenn eine Prozedur nicht mit einem anfänglichen Wegpunkt beginnt, sondern mit einem Kurs zu einer Navigationshilfe ist. Sie zeigt die Anfangsposition der Prozedur an und ist nicht mit einem Wegpunkt verbunden.
  • Zu Runway fortfahren in einer SID: Der erste Abschnitt einer SID, der die Startposition auf der Startbahn angibt. Wenn die Start- und Landebahn nicht gefunden wird, kann das Programm auf das Flugplatzzentrum zurückfallen. Die Höhenbeschränkung gibt die Höhe der Start- und Landebahn an.
  • Geradeaus in einem Landeanflug: Dieses Teilstück bzw. Abschnitt wird zu einer Landeprozedur hinzugefügt, um die Kurslinie von einem Fehlanflugspunkt (MAP) bis zum Ende der Landebahn zu zeigen. Sie wird hinzugefügt, wenn ein Landeanflug nicht mit einem Startbahn-Fix endet und eine Höhenbeschränkung von 50 Fuß über der Landebahnschwelle hat.
  • Kreisen um zu Landen: Hinzugefügt zu einer Prozedur, um den Kurs vom Fehlanflugspunkt zum Flugplatz anzuzeigen. Sie wird hinzugefügt, wenn ein Anflug nicht mit einer Start- und Landebahn endet.
  • Vektoren: Vektoren verbinden Abschnitte, die von ATC manuell beendet werden.
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Geradeaus Beispiel: ENSH Anflug LOC FL01 (L01) zum Runway 01. Die Weiß und Orange gepunktete Linie ist der gerade Abschnitt. ML01 ist der Fehlanflugspunkt. Wenn der Runway bei ML01 nicht sichtbar ist, muss der Fehlanflug eingeleitet werden.

_images/proc_ctl.jpg

Kreisen um zu Landen Beispiel: LSZC RNAV-A KUSIX (RNVA). Die Weiß und Orange gepunktete Linie ist des Circle-to-Land-Abschnittes. ZC701 ist der Fehlanflugspunkt. Für diesen Abschnitt wird keine Navigation gezeigt. Der Pilot muss um den Berg navigieren um Runway 06 oder 24 zu erreichen.

29.8. Wegpunktypen in einer Prozedur

  • Wegpunkte: Terminal-Wegpunkte oder Funkfeuer. Können in der Anflugtabelle als Überflug gekennzeichnet werden.
  • Radial und Entfernung: Beispiel: WIK/7nm/291°M. Ein Punkt, definiert durch einen Kurs oder Steuerkurs und durch die Entfernung zu einer Navigationshilfe.
  • Entfernung zu DME: Beispiel: WIK/9nm. Dieser Punkt wird durch einen Steuerkurs definiert, der beim Erreichen einer DME-Distanz beendet wird.
  • Anschneiden Kurs zu Wegpunkt: Fangen Sie einen Kurs zum nächsten Fix in einem Winkel von etwa 45 Grad ein.
  • Kurs/Richtung zur Radialbeendigung: Beispiel: LPD/135°M. Wenden Sie nach links oder rechts, um einen Kurs zum Funkfeuer abzufangen.
  • Anschneiden Abschnitt: Schneiden Sie die nächste Strecke bei einem Kurs von etwa 45 Grad an.
  • Höhe: Ein Abschnitt oder eine Warteschleife, die durch Erreichen einer bestimmten Flughöhe beendet und meist bei Fehlanflügen verwendet wird. Da die Entfernung vom Flugzeug abhängt, werden für diese Strecke 2 NM Länge verwendet. Sie können die Linie ignorieren und zur nächsten Strecke übergehen, sobald das Flughöhenkriterium erfüllt ist.
  • Manuell: Fliegen Sie einen Steuerkurs oder eine Warteschleife, bis er manuell von ATC beendet wird.

Runwaypunkte bekommen ein RW vorangestellt. Sie haben normalerweise eine Höhenbeschränkung von einigen Fuß über der Landebahn. Höhere Höhenbeschränkungen (d.h. > 500 Fuß) deuten auf einen Kreisen um zu Landen Anflug hin.

29.9. Höhen- und Geschwindigkeitsbeschränkungen

Einschränkungen werden auf der Karte und in der Flugplantabelle angezeigt.

  • Nur Nummer: Fliegen Sie in einer bestimmten Flughöhe oder Geschwindigkeit. Kartenbeispiele: 5400ft oder 210kts.
  • Präfix A: Fliegen Sie mit einer Flughöhe oder Geschwindigkeit oder darüber. Kartenbeispiel: A1800ft oder A200kts.
  • Präfix B: Fliegen Sie mit einer Flughöhe oder einer Geschwindigkeit oder darunter. Beispiel: B10000ft oder B240kts.
  • Bereich: Fliegen Sie auf oder über der ersten Flughöhe und auf oder unter der zweiten Flughöhe. Kartenbeispiel: A8000B10000ft. Das Gleiche gilt für die Geschwindigkeit.
  • Präfix GS: Zeigt keine Höhenrestriktion an sondern ist ein Indikator für den ILS-Gleitpfad. Kann auf oder auf oder höher anzeigen.

29.10. Verwandte Navigationshilfen

Viele Abschnitte haben eine verwandte oder empfohlene Navigationshilfe. Dies kann ein VOR, NDB, ILS oder ein Wegpunkt sein. Die zugehörige Navigationshilfe enthält Radial- und Distanzwerte, die verwendet werden können, um Punkte zu lokalisieren, wenn man ohne GPS fliegt oder einfach um die Position zu überprüfen.

29.11. Fehlanflüge

Fehlanflüge werden aktiviert, sobald das Simulatorflugzeug am letzten Punkt eines Landeanflugs vorbei geflogen ist und die Anzeige von Fehlanflügen auf der Karte aktiviert ist. Die Anzeige der verbleibenden Flugplanentfernung wechselt zur Anzeige der verbleibenden Distanz zum Ende des Fehlanfluges.

Bemerkung

Fehlanflüge werden nicht aktiviert, wenn sie auf der Karte versteckt sind.

29.12. Abschnittshervorhebungen auf der Karte

Bis zu drei Punkte werden hervorgehoben, wenn Sie im Suchfenster auf einen Prozedurabschnitt in der Baumstruktur klicken:

Ein kleiner blauer Kreis zeigt den Anfang des Abschnittes. Das Ende des Abschnittes wird durch einen großen blauen Kreis dargestellt. Ein dünner Kreis zeigt die Position des empfohlenen oder verwandten Fixes an, falls vorhanden.

29.13. Ungültige Daten

Ein Abschnittseintrag wird rot gezeichnet, wenn eine Navigationshilfe während des Ladevorgangs der Szeneriedatenbank nicht aufgelöst wurde. Dies geschieht nur dann, wenn die Quelldaten nicht gültig oder unvollständig sind. In diesem Fall ist die resultierende Prozedur nicht anwendbar und es wird ein Warndialog angezeigt, wenn wesentliche Navigationshilfen fehlen.

Little Navmap verweigert je nach Fehler möglicherweise die Verwendung der Prozedur.